Der neue 27" iMac kann sich vor lauter 'noch mehr' kaum retten: Im Vergleich zum Vorgängermodell bietet er noch mehr Bildschirmfläche, noch mehr Pixel, noch mehr Prozessorkerne, noch mehr Alugehäuse, noch mehr Kabellosigkeit und auch noch mehr Dünne sowie Leichtfüßigkeit, selbst das sich frontal verschlankende Standbein ist tatsächlich am vorderen Ende einen Hauch dünner geraten. Zu diesen Neuerungen gesellt sich das LED-LCD im 16:9-Format, der Mikroarchitekturwechsel bei den Modellen mit Core i5 und i7 sowie die praktische Möglichkeit, das 27"-Modell als Monitor zu verwenden und bis zu 16GB Arbeitsspeicher zu verbauen.
Der Inhalt der riesigen iMac-Packung hinterlässt einen noch aufgeräumteren Eindruck als zuvor, schließlich ist mit dem Stromkabel lediglich ein einzelnes Kabel verblieben. Doch so willkommen die beigelegte drahtlose Alu-Tastatur und die Magic Mouse auch sind, genug Batterien oder verkabelte Ersatzgeräte sollten durchaus für Notfälle vorbehalten werden. Die Apple Remote liegt dem iMac seit längerem bereits nicht mehr bei, weder in ihrer alten Plastikform noch in der neuen schickeren Alu-Variante, die sich optisch dafür endlich als passend erweist.
Das 27" Display ist beeindruckend und strahlt ebenso hell wie das Display des vorherigen 24-Zoll-Modells, erscheint dabei aber gleichmäßiger ausgeleuchtet und farblich etwas kühler. Die Auflösung wurde massiv erhöht und so wirkt ein 1080p-Trailer auf dem 27" iMac beinahe etwas verloren (siehe Bild, beide iMacs zeigen denselben Full-HD-Trailer). Sehr erfreulich ist außerdem, dass sich die Displayhelligkeit des LED-iMacs endlich auch systemseitig in Bereiche herunterregeln lässt, in denen selbst Nachts der Bildschirm noch ohne völlige Verblendung betrachtet werden kann. Die Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln erfordert eine leichte Eingewöhnung, wenn an dem Display (viel) gelesen wird.
Die in die Breite gehende Frontseite steht dem iMac dabei sehr gut, gerade das bis zum Rand reichende Glas und das kürzere "Kinn" mit kleinerem Apple-Logo erhöhen zudem die Eleganz und Wohnzimmertauglichkeit. Die aus einem Guss Aluminium gefertigte Seiten- und Rückenpartie perfektioniert das Gehäuse und trägt ihren Teil zur Kühlung bei.
In einem entscheidenden Punkt ist der neue iMac seinem Vorgänger nämlich (glücklicherweise) treu geblieben: Er neigt zu nahezu absoluter Geräuschlosigkeit (zumindest für meine nicht allzu feinsinnigen Ohren). Im zarten Betrieb liegt die CPU-Temperatur (laut iStat Menus) sowohl beim Core i7 wie beim vorhergehenden 24" iMac mit 2,66GHz Core 2 Duo bei rund 35°. Dabei dreht der Lüfter des i7 iMacs mit 940rpm sogar langsamer als der des alten iMacs (1200rpm).
Auch mehr als 15 Minuten bei komplett ausgelastetem Prozessor brachten die CPU des i7 iMacs nur knapp über 60° und die Lüfter verharrten weiterhin bei ihren 940rpm - der iMac blieb dabei lautlos. Die Befürchtung, sich mit dem Core i7 ein wild lüftendes Geräuschmonster ins Haus zu holen, lässt sich also getrost über Bord werfen. Natürlich bleibt abzuwarten, wie sich der i7 iMac z.B. im Hochsommer bei anhaltender Auslastung verhält und bislang habe ich nur die CPU ausgereizt, nicht jedoch die GPU, der erste Eindruck jedenfalls stimmt optimistisch. Auch das optische Laufwerk ist im Betrieb übrigens ein gutes Stück leiser als zuvor.
Zugleich legt das Core i7-Modell trotz seiner Lautlosigkeit eine extreme Geschwindigkeit an den Tag und nach den Speedmark-Ergebnissen der Macworld schlägt es derzeit sogar beide Mac Pro-Modelle in ihrer Standardkonfiguration egal ob Quad-Core oder 8-Core (allerdings hauptsächlich aufgrund der Grafikleistung). Rein von der Prozessorleistung bewegen sich Core i5 und Core i7 iMac in derselben Region wie ein aktueller Quad-Core Mac Pro und auch der 8-Core Mac Pro kann nur in sehr spezifischen Anwendungen seine acht Kerne ausspielen, die der Core i7 lediglich per Hyper-Threading simuliert.
Der i7 ist nach diesen gesammelten Werten insgesamt um knapp 8% schneller als der i5 - ob dies den Aufpreis von 180 Euro lohnt, sei dahingestellt. Weitere Benchmarks zum i7Mac finden sich auch bei Gizmodo und OWC verglich die neuen iMacs mit verschiedener RAM-Bestückung von 4 bis 16GB.
Eine für mich völlig unerwartete, aber natürlich sehr willkommene Neuerung liegt im deutlich besseren WLAN-Empfang (wiederum im Vergleich zum direkten Vorgänger), obwohl die AirPort-Antenne an das (hintere) Apple-Logo verlegt werden musste, da dies das einzige verbliebene Stück Plastik auf der Rückseite ist. Der Empfang liegt auf einer Ebene mit dem eines Plastik-MacBooks während der alte iMac sich auf Ebene des MacBook Pro bewegt. Die mögliche drahtlose Datentransferrate liegt damit beim neuen Modell ebenfalls tendenziell höher. (Die grüne Linie ist der 27" iMac, die gelbe ein Plastik-MacBook und die blaue Linie der alte 24" iMac, der auf dem Schreibtisch exakt neben dem neuen Modell steht.
Die Nutzung des 27" iMacs als Monitor funktioniert ebenfalls problemlos: Nach dem Anstöpseln des mDP-auf-mDP-Kabels an iMac sowie einen weiteren Mac mit Mini-DisplayPort, wird der iMac als zweites (erweitertes) Display einbezogen. Per cmd+F2 lässt sich zwischen Monitorbetrieb und dem eigenen Bildschirminhalt hin- und herschalten. Der iMac kann sich im Monitorbetrieb fröhlich weiter seinen Aufgaben widmen und z.B. auch Musik abspielen - diese lässt sich über die "Spezialtasten" der Tastatur ebenso steuern wie die Bildschirmhelligkeit.
Derzeit fehlen leider die benötigten Kabel, um beispielsweise eine PS3 o.ä. per HDMI anzuschließen, aber entsprechende Adapter dürften folgen: Belkin arbeitet biespielsweise an einem HDMI auf Mini-DisplayPort-Adapter, der wohl im Mai 2010 erscheinen soll, nahm die Produktbeschreibung aber wieder von der eigenen Seite. Der Preis ist noch unbekannt, sonderlich günstig dürfte ein derartiger Adapter allerdings nicht ausfallen. (Danke an UUSER und Pascal!)
Der Ton der integrierten Lautstärker des 27" iMacs ist gerade im lauteren Bereich etwas klarer, voller und basslastiger als beim Early 2009-iMac.
Eine Lappalie am Rande: Wer den Einschaltknopf auf der Rückseite gerne nutzt, um seinen iMac in den Ruhezustand zu schicken, muss etwas mehr Tastsinn aufbringen, denn der nun mit der Alu-Rückseite ebenliegende Knopf lässt sich nur schwerer erfühlen.
Der iMac ist damit in jeder Hinsicht reizvoller als je zuvor, selbst für ein 27" LED-Display mit dieser Auflösung allein wäre der Preis sogar nicht allzu abwegig, doch in Verbindung mit Core i5 oder Core i7 kommt ein ganzer Rechner inklusive Maus und Tastatur hinzu, der auf dem Niveau des Mac Pro spielt - nur die über den Arbeitsspeicher hinausgehende Erweiterbarkeit fehlt.
Ich vermisse immer noch zwei Vorzüge, die einstmals die weißen Plastik-iMacs besaßen: Die sanft pulsierende Schlaflampe ging ebenso verloren wie die feine Möglichkeit, die Fernbedienung magnetisch am Rand des iMacs zu verstauen. Mir persönlich kam es zwar nie störend in die Quere, doch je nach Lichteinfall spiegelt die riesige Front-Glasscheibe weiterhin enorm und der eigenhändige Tausch der Festplatte wurde leider noch einen Tick umständlicher. Davon abgesehen ist der neue iMac durch Quad-Core-Prozessor, 27" LED-LCD und unveränderte Lautlosigkeit nun praktisch perfekt geraten (so zumindest mein Eindruck nach kurzen zwei Tagen) - solange sich das All-in-One-Konzept grundsätzlich mit den eigenen Vorstellungen vereinbaren lässt.
Fragen zum 27" iMac werden wie immer gerne in den Kommentaren entgegengenommen (und nach Möglichkeit auch beantwortet). Eventuell werde ich nach einigen Wochen der Alltagsnutzung noch einen kleinen Nachtrag zum i7Mac abliefern, falls mir erwähnenswertes unterkommt.


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