Apple wird zu Microsoft?

On 16. Oktober 2015, in Allgemein, Apple, by Gordian Hense

Bildschirmfoto 2015-10-16 um 15.18.21Ich bin Apple Nutzer seit 1982. Meine ersten Schritte unternahm ich auf einem Apple IIC mit Fernsehmonitor. Seit dem war ich immer ein glühender Fan der Apple Produkte. Warum? Weil es mir gefiel, dass Steve Jobs den User in den Mittelpunkt der Produkte stellte. WYSIWIG – „What you see is what you get“ – das war die Devise. Darüber hinaus waren ab den ersten Geräten die Produkte gut designed und sahen nicht aus riesige Maschinen. Es gab dafür auch immer gute Software, die auch einfach und verständlich zu bedienen war. Das Gesamtpaket war umwerfend und man konnte mit der Hard- und Software (meist) produktiv arbeiten. Was bei der Konkurrenz lange nicht so war. Mit der Betriebssystem Version Mac OS 9 wurde ein kostenloses System zur Verfügung gestellt welches schnell war, recht zuverlässig und genau machte was der User wollte. Es war eine echte Mensch-Maschine-Schnittstelle von der man auch eine Rückmeldung zu seinen Befehlen, die man der Maschine gab, bekam. Und es lief über Jahre problemlos ohne grosse Updates. Natürlich war nicht immer alles Gold was glänzte – aber man konnte sich mehr auf das konzentrieren was man eigentlich damit machen wollte und nicht auf das womit man es machen wollte. Da ich auch mit Konkurrenzprodukten arbeitete, konnte ich gut vergleichen, zu wie viel Prozent man mit Apple Produkten produktiver war. Und der Unterschied waren ziemlich gross. Und das hat sich nun geändert.

In der ganzen Jahren hatte ich meist mehrere Apple Computer, iPads, iPods, iPhones, Drucker etc. selber im Einsatz und hatte in meiner Arbeit sowohl als Angestellter als auch als Selbständiger ständig mit dem ganzen Umfeld zu tun. Heute bin ich ACSP (Apple Certified Support Professional). So dass ich mit Fug und Recht sagen kann, ich kenne mich ganz gut aus, mit dem was ich hier schreibe.

Früher hoher Produktivitätsvorteil zu Konkurrenzprodukten

Mein Eindruck war immer, dass man mit Apple Produkten zu 80 % produktiv seiner Arbeit nachgehen konnte, während das bei Konkurrenzprodukten höchstens 50 % war. Der Rest wurde durch Updates, Sicherheitpatches, Standzeiten, Ausfallzeiten, Abstürze und andere Dinge ausgeschöpft. In den letzten Jahren hat sich Apple sehr verändert. Durch den Erfolg der iPhones und den iPads ist für Apple eine neue, andere Kundengruppe entstanden als die der alten Desktop-User. Diese hat ein anderes Nutzerverhalten als herkömmliche Benutzer von Mac OS X Systemen. Auf dem iPhone und Tablets wurden auch die verschiedenen Techniken eingeführt, welche nur auf Geräten mit Touchscreens möglich sind. Wischen, Zoomen, Verschieben, Vergrössern oder Verkleinern mit einem oder zwei Fingern sowie der „Ein-Knopf-Bedienung“. Daraus resultierten zwei unterschiedliche Betriebssysteme. Das iOS und das OS X. Diese produzieren natürlich doppelt so viel Aufwand in der Entwicklung und Wartung als ein einziges. Zusätzlich sollen in Zukunft auch auf der Desktop-Ebene Funktionen eines Touchscreens implementiert werden. Was liegt da näher, als aus zwei Systemen eins zu machen. Apple verfolgt deshalb, bei der Entwicklung seines Betriebssystems, eine klare Linie, nämlich beide Systeme iOS und OS X zu einem OS zu machen. Das hätte für das Unternehmen enorme finanzielle Vorteile und von der Hardware ist es gut möglich. Dieser Wandel geht aber nicht mit einem Update sondern muss nach und nach erfolgen. Yosemite und nun El Capitan sind die auf der Mac OS X Seite und iOS 9 das auf der Tablet Seite.

Nutzer der Apple Desktop Computer leiden unter dem Zusammenwachsen beider Systeme iOS und OS X

Da sich Apple stärker an der Masse der Kunden orientiert, müssen die User der Desktop-Lösungen leiden. Die letzten Updates des Mac OS X waren alles andere als gelungen. Fehler und Probleme häufen sich. Was aber am schlimmsten ist, ist das Abweichen des OS X’s in seinem Userverhalten. Den Rückmeldungen die ein Computer dem User über das Interface gibt. Das WYSIWIG ist einem aus der Microsoft üblichen „ich weiss nicht was ich mache“ geworden. Klickt man heute im Mac OS X auf einen Knopf kann es schon mal sein, dass man überhaupt keine Rückmeldung vom System bekommt. Kein „drehendes Rad“, „Keine Sanduhr“ kein Hinweis auf irgend eine Aktivität, oder noch viel schlimmer „fehlerhafte Rückmeldungen“.

Gerade habe ich das wieder erlebt. Um Software zu aktualisieren muss man das Programm „App Store“ benutzen, sich mit seinem User-Account einloggen (und zwar mit dem, mit dem man die zu aktualisierende Software gekauft hat – wer weiss dass schon bei drei Accounts) und dann auf den Button „Aktualisieren“ hinter der Software klicken. Was passiert erst mal? Nichts. Dann ändert sich der Button von „Aktualisieren“ kurz in ein ausgegrauten Button und dann wieder in einen mit weissem Text. Der User denkt, ahh da ist was schief gelaufen und klickt noch einmal darauf. Wieder passiert nichts. Aber, oben links, neben den links / rechts Pfeilen, also ganz woanders dreht sich munter ein Rädchen. Was soll es uns sagen? Keiner weiss es. Hat der Download schon gestartet oder nicht? Versucht „App Store“ eine Verbindung zu seinem Heimatplaneten aufzubauen? Keine Ahnung. Dann wird plötzlich, nach ein paar Sekunden, neben dem Button „Aktualisieren“ ein Fortschrittsbalken eingeblendet der den Download des Updates symbolisiert. Der aber sofort wieder verschwindet und anstatt wird der Text „Es ist ein Fehler aufgetreten“ in rot angezeigt. Nun, was soll ich als User nun machen. Ich lass das Programm mal laufen – obwohl es mir kein Feedback gibt was nun geschieht. Nach ein paar Minuten versucht das Programm „App Store“ den download erneut, von alleine, ohne Rückmeldung. Aha. Wäre toll gewesen, hätte ich das gewusst. Dann hätte ich kurz mal aufs Klo gehen können. Und nun, es funktioniert, das Update wird herunter geladen und installiert. Wenigstens dann wird der Status richtig angezeigt. In diesem ganzen Vorgang fehlen mindestens drei Rückmeldungen an den User. Das sich drehende Rädchen ist verwirrend und könnte weggelassen werden.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen, die die neuen Mac OS X Systeme mit sich bringen. Der Pfad des WYSIWIG wurde schon lange verlassen und wurde noch schlimmer als bei der Konkurrenz – versaubeutelt. Denn bei Microsoft bekommt man meist vom System gar keine Rückmeldung was es eigentlich gerade macht – das ist ja noch eindeutig. Apple stiftet lieber mehr Verwirrung, da es unklare und doppelte Rückmeldungen bringt. Wer jetzt sagt oder denkt, das sind ja „Kinkerlitzchen“ der irrt sich gewaltig. Diese Irritationen treten ja nicht nur in dieser Applikation auf sonder summieren sich im laufe eines Arbeitstages bei zig Anwendungen und kosten echte Arbeitszeit und Nerven.

Mein iPhone wollte ich schon mehrfach in dem Müll schmeissen und mir ein total einfaches Handy aus der dritten Welt besorgen, weil ich nicht wusste was es eigentlich macht, mir aber die Nutzung verweigerte. Wer ist eigentlich der Kapitän auf meinem Schiff? Apropos Kapitän!

OS X El Capitan – nicht ausgereift

Apple ist, so glaube ich, manchmal nicht ganz klar wie seine Kunden mit den Produkten arbeiten oder umgehen. Die meisten Menschen benutzen eine Handvoll Software und das jeden Tag. Das wäre ein Mail-Programm, ein Office – Programm mit Tabellenkalkulation etc. und einen Browser. Viele Apple User kommen aus dem grafischen Gewerbe und nutzen deshalb Grafikprogramme die heute fast nur noch von einem Anbieter kommen „Adobe“. Wenn man also ein neues Betriebssystem auf den Markt bringt und sogar vorher gross ankündigt dass es tausende von Beta-Testern getestet haben, dann sollte man wenigstens die oben genannten Programme damit testen. Ist das zu viel verlangt? Ich glaube nein.

Das hauseigene Mail Programm von Apple zeigte schon und zeigt immer noch unter Yosemite riesige Probleme die auch in den Support-Foren von Apple bis heute heftigst diskutiert werden. Eine Lösung hat Apple bis heute nicht geliefert. Mit „El Capitan“ setzt sich diese Misere fort. Supporter  berichten, dass die gleichen Probleme unter El Capitan mit Mail auftreten wie unter Yosemite. Mail lässt sich nicht öffnen, stürzt ab, oder es wird nicht richtig geladen, was die Benutzung unmöglich macht. Mail ist eines der wichtigsten Programme auf jedem System und Apple schafft es nicht über zwei Betriebssysteme hin eine vernünftige Version zu liefern?

Das neue Office von Microsoft ist das Office Programm für den Mac schlecht hin. Offiziell gibt es nichts besseres und es ist weit verbreitet. Und wie läuft es auf „El Capitan“. Überhaupt nicht. Es lässt sich auf vielen Rechnern nicht starten. Wir mussten auf einigen Rechnern einen Downgrade machen, damit die Angestellten mit ihrer täglichen Arbeit weiter fortfahren konnten. Auf El Capitan war es einfach nicht möglich Excel, Word oder PowerPoint zu öffnen.

Die Adobe Suits laufen ebenfalls nicht auf El Capitan. Warum weiss keiner. Sie starten einfach nicht. Ich vermute, dass es wieder mit Java zusammenhängt. Schon bei Yosemite bzw. dem Umstieg wurden die alten Verbindungen (Verzeichniseinträge) zu Java gekappt, so dass man Java erst neu installieren musste. Die ganzen Adobes Suits greifen massiv auf Java zu. Wenn das nicht läuft – läuft auch die Adobe Suit nicht. Ich kann nicht verstehen, wie Apple seinen Zwist mit Adobe auf dem Rücken der Kunden austrägt. Das können sich nur Manager erlauben, die keinen Druck von ihren Kunden oder den Aktionären bekommen. Und so scheint es mir bei Apple auch zu laufen. Für Steve Jobs war Apple sein Baby, für Tim Cook ist Apple einfach nur ein börsennotiertes Unternehmen das Gewinn abwerfen soll. Und darin liegt der Unterschied. Leider merkt man das am Markt auch.

 

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